Am Karsamstag gingen ca. 300 Sylter auf die Straße – es gab eine Demo! Vielleicht die erste Demo auf Sylt? Zumindest war es meine erste Demo, und ich bin stolz und froh, mitzumachen.

Der Grund: Wenningstedt besitzt wichtiges Kulturgut – ein 5000 Jahres altes Grab, das unter einem Hügel liegt und mit den großen Steinen, die als Grabkammer dienen, eine kleine Attraktion ist. Etwas eng da drin, aber sehr interessant. Besonders die großen, schweren Steine und die Konstruktion des Ganzen sind beeindruckend.

Das Grab befindet sich direkt neben unserer Wenningstedter Friesenkapelle und lässt sich auf einer Tour durch den Ort richtung Kampen und Wäldchen gut mit besichtigen.

Neben dem Denghoog steht ein Haus in toller grüner Lage, das Lisa, einer alten Dame, gehörte, die letztes Jahr gestorben ist. Lisa war eine liebe, kleine Frau, die sich aufopfernd um andere kümmerte. Jeden Morgen kam Sie mit dem Fahrrad und besuchte meine Oma, die im Friesenzimmer saß und ihr Marmeladenbrötchen (oder Quittengelee -selbstgemacht) frühstückte. Sie unterhielten sich ein paar Minuten, Lisa wollte keinen Kaffee, nahm sich aber immer ein Bonbon an der Rezeption. Manchmal kam auch Ebba, und man hörte die alten Damen miteinander lachen. Dann nahm Lisa ihr Fahrrad und ging weiter.

Heute führt meine morgendliche Gassirunde an Lisas Haus vorbei, und immer genieße ich den Anblick und die Ruhe dieses Ortes zwischen Kirche und Friedhof. Es ist nicht mehr wirklich gepflegt, da es nun schon länger leer steht, aber es ist umringt von Grün, vielen Bäumen und hat einen besonderen Charme.

Nun das Problem: Dieses Haus soll nun abgerissen und durch vier Hausteile ersetzt werden. Laut wenningstedter B-Plan darf groß gebaut werden, inkl. 3 Meter Unterkellerung und 8 Parkplätzen! 

Vorbei mit idyllischer Romantik und im schlimmsten Fall auch mit dem Denkmal. Denn der Denghoog ist in Gefahr – die 5000 Jahre alte Grabkammer könnte Schaden nehmen beim Bau mit schwerem Gerät, im schlimmsten Falle einstürzen….

Momentan fährt dort kein Auto, ab dann wird es eine Zuwegung geben, direkt vorbei am Denkmal. Baufahrzeuge und die Autos der neuen Gäste werden sich dann an Kirche und Grabstätte vorbeischieben.. Kein schöner Gedanke…

Die Sölring Foriining schreibt: “Die Erschütterung durch das Ausheben des geplanten Kellers unmittelbar neben dem Denkmal birgt aus unserer Sicht das Risiko, dass sich die tragenden Steine des Ganggrabes verschieben könnten. Diese und der ca. 20 Tonnen schwere Deckenstein der Grabkammer sind mit einem Geschiebe aus Quarzit, Gneis und Granit ummantelt, das wiederum von einer gelben Sandschicht und grauer Erde bedeckt ist. Dieser Mantel besteht aus etwa sieben Lagen plattiger Steine, die mit Klei verbaut wurden und wie vermörtelt liegen. So beschreibt es der ehemalige Leiter des Archäologischen Landesamtes, Professor Reichstein, nach seiner im Jahre 1981 erfolgten Grabung am Denghoog. Die Verschiebung des Mantels und der Sandschicht können eine unmittelbare oder spätere Wirkung auf die tragenden Steine des Grabes haben und hätten eine Schließung des Denghoog zur Folge.”

Immerhin konnte bis jetzt erreicht werden, dass die Zuwegung zum Grundstück von der Gemeinde untersagt wurde. Die Sölring Foriining ging gegenan, da sie bei der Änderung des Bebauungsplanes 2012 nicht mitbedacht wurde. So herrscht momentan ein Baustopp. Doch die Investorengemeinschaft wird klagen und alle Mittel für den Neubau einsetzen. Sie hatte schon versucht, sich die Zuwegung mit sechsstelliger Summe zu erkaufen. Zum Glück vergebens.

Deshalb sammeln wir Unterschriften – gegen eine Bebauung, die unserem Denkmal schaden könnte. Bitte machen Sie mit, helfen Sie der Insel im Kampf gegen den Ausverkauf. Nachfolgend der Link zur Onlinepetition.

https://www.openpetition.de/petition/online/rettet-das-steinzeitgrab-denghoog-geplanter-neubau-gefaehrdet-5-000-jahre-altes-sylter-denkmal